Fleisch essen

Seit Tagen überlege ich ob ich zu diesem Thema etwas schreiben soll, weil ich ja weiß was in den Kommentaren kommt. Dann dachte ich, na und, es ist mein verdammter Blog und hier schreibe ich über Themen die mich bewegen. In letzter Zeit habe ich dies eh viel zu wenig getan, sondern nur die Wohlfühlposts losgelassen und das auch nur, weil ich nicht einfach drei Fotos einstellen wollte.

Über das Thema Tiere essen denke ich schon lange nach, nicht erst seit ich das Buch von Jonanathan Safran Foer und Anständig Essen von Karen Duve gelesen habe. Es treibt mich seit Jahren um und immer wieder hat es Phasen gegeben, in denen ich dann doch keine vegetarische, ganz zu schweigen von einer veganen, Ernährung hinbekam. Heute betrachte ich es als Entwicklung, Althergebrachtes und Traditionen loslassen ist schwer. Wie wir uns ernähren hat nun einmal viel mit Herkunft und Familie zu tun. Essen ist nicht nur Nahrung, sondern oft genug auch Trost. Besonders ich kann davon ein Lied singen, denn in meiner besten Zeit habe ich 160 kg gewogen, weil ich einfach alles in mich gestopft habe, um nicht die ganze Zeit zu schreien. Hätte ich so weiter gemacht, wäre ich mittlerweile tot.

Der Prozess zum veganen Leben war also recht lang, doch mittlerweile bin ich froh, es geschafft zu haben. Lange habe ich immer mal Fleisch gegessen, zwar immer Bio und aus regionaler Haltung, doch mittlerweile auch das nicht mehr. Da ich die Bedingungen für Milchkühe kaum besser finde, mal ganz abgesehen davon, dass Milch nun mal Babynahrung ist und extrem viele Wachstumshormone enthält, die Erwachsene nicht brauchen, die sogar schädlich sind, habe ich Milch und Käse gleich mit an den Nagel gehängt.

Doch außer den persönlichen und den ökologischen Gründen gibt es noch einen, für mich sehr wichtigen Aspekt, vielleicht so gar den wichtigsten. Es gibt da auch eine spirituelle Seite. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Fleischverzehr Agressionen und Empathielosigkeit fördert. Das gilt natürlich besonders für die Massentierhaltung und -schlachtung, wenn auch vielleicht im geringeren Maße für Biofleisch. Dabei spreche ich noch nicht einmal von den Antibiotika und Medikamenten die in der Massentierhaltung eingesetzt werden, sondern von den Stresshormonen, die bei der Schlachtung und auf dem Weg dorthin freigesetzt werden. Gilt übrigens auch für Tiere aus biologischer Landwirtschaft. Selten wird noch auf den Höfen geschlachtet und auch dort ist es kein Spaß. Wir haben zu Hause geschlachtet und ich verstehe immer noch nicht, wie ich damals überhaupt von dem Fleisch essen konnte, denn die armen Viecher haben sich gewehrt und zum Steinerweichen gejammert. Dabei hatten wir einen zuverlässigen, versierten Schlachter, bei dem der erste Bolzenschuss sass und nicht noch lebende Tiere aufgeschlitzt wurden, wie es in der Industrieschlachtung immer wieder vorkommt.

Vielleicht bin ich empathischer geworden, aber mir ist es einfach auch nicht mehr möglich empfindsame Wesen die soziale Gemeinschaften bilden zu essen. Sicher auch Pflanzen sind empfindsame Wesen, aber mir bei weitem nicht so wesensverwandt, wie etwa Schweine. Ich will durch die Welt gehen und so wenig Schaden wie möglich anrichten, nicht weil ich glaube so gutes Karma anzuhäufen und Bonuspunkte bei einer Reinkarnation zu bekommen, an die ich nicht einmal glaube, sondern, weil ich es für mich als richtig und stimmig erkannt habe und es widersinnig finden würde, aus dieser Erkenntnis nicht die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen.

Karin Braun
Mein Name ist, wie unschwer zu erraten, Karin Braun und ich lebe in Kiel, bin aber meistens eher im Wolkenkukusheim unterwegs, was eben auch zu meinem Beruf führte. Ich bin Autorin und Buchbloggerin. Neben der Literatur interessiere ich mich für Philosophie, Ernährung und tüddel gerne mit Wolle herum

4 Kommentare

  1. genau so
    hier sind alle um mich herum leider in die andere richtung unterwegs
    fällt mir schwer das auszuhalten
    besonders weil das kind mit tierischen produkten vollgestopft wird
    hat aber auch zur folge dass ich manchmal kompromisse mache
    wir hatten letztens pizza bestellt – aber die war so grauslich
    jetzt haben wir einen pizzastein und für die nächste pizza denk ich mir veganen belag aus
    eckhart tolle hat zitiert : wenn du denkst du bist erleuchtet verbringe eine woche mit deinen eltern meine cousine meinte zwei stunden reichen –
    hab eine familie ist der gleiche effekt
    ich richte mich immer wieder mit veganen koch podcast auf
    allerliebste grüße und umarm

      1. yeah – ich bewundere dich
        ich krieg herzrasen wenn ich ihm länger zuschaue
        aber er kocht unbenommen lecker
        und es ist wohl die neue zeit
        weil maiLab ist ähnlich laut und schnell aber so gut dass ich es anschaue muss
        wenn auch nur in kleinen dosen

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